Wie gut sind Österreichs Freikirchen online? 155 Websites im Check
Wie gut sind die Websites der Freikirchen in Österreich? Wir haben im September 2026 alle 155 Adressen aus der Gemeindeliste der Freikirchen in Österreich automatisch geprüft. Das Ergebnis: Technisch stehen die meisten Seiten gut da. Was fehlt, ist oft das, was ein Besucher als Erstes sucht, nämlich die Gottesdienstzeit, ein Wort an Neue und den Hinweis auf den Kinderschutz. Hier sind die Zahlen, ohne Namen.
Wie sind wir vorgegangen?
Grundlage war die öffentliche Gemeindeliste auf freikirchen.at. Jede Website haben wir einmal gezählt, auch wenn mehrere Standorte auf dieselbe Adresse zeigen. Ein kleines Programm hat von jeder Website nur die Startseite abgerufen und das ausgelieferte HTML ausgewertet.
- 155 Adressen, davon 142 erreichbar.
- Geprüft wurde nur die Startseite, nicht die Unterseiten.
- Was erst per JavaScript nachgeladen wird, sieht die Prüfung nicht. Elf Websites lieferten ohne JavaScript kaum Text; sie zählen bei den Inhaltsfragen nicht mit. Dort ist die Basis 131 Websites.
- Die Rohdaten bleiben bei uns. Wir nennen keine Gemeinde und geben keine Liste weiter.
Eine Stichprobe dieser Art ist kein Gutachten. Sie zeigt aber sehr zuverlässig, was ein Besucher auf den ersten Blick findet und was nicht.
Wie steht es um die Technik?
Hier gibt es gute Nachrichten. 95 Prozent der erreichbaren Websites sind verschlüsselt, 94 Prozent sind für das Handy vorbereitet, und das HTML der Startseite kommt im Mittel in 0,7 Sekunden an. Fast jede Seite hat einen Seitentitel.
Eine Lücke fällt trotzdem auf: 49 Prozent der Startseiten haben keine Beschreibung für Google. Dann setzt Google selbst einen Textschnipsel in das Suchergebnis, oft ein Stück aus dem Menü oder dem Cookie-Hinweis. Wer nach einer Freikirche in seiner Stadt sucht, entscheidet aber genau an diesem Schnipsel, ob er klickt.
Finden Besucher die Gottesdienstzeit?
Die häufigste Frage an eine Gemeindewebsite lautet: Wann und wo ist der Gottesdienst? Auf 73 Prozent der Startseiten steht eine Uhrzeit dazu. Umgekehrt heißt das: Auf jeder vierten Startseite fehlt sie. Nimmt man die Adresse dazu, fehlt auf 38 Prozent der Startseiten entweder die Zeit oder der Ort.
Noch deutlicher ist der Befund bei neuen Besuchern. Nur 15 Prozent der Startseiten haben einen Hinweis wie „Neu hier?“ oder „Was dich erwartet“. Dabei ist das der Moment, in dem jemand überlegt, ob er am Sonntag wirklich kommt. Eine Telefonnummer steht auf 39 Prozent der Startseiten, ein E-Mail-Link auf 37 Prozent.
Das ist leicht zu ändern. Ein Kasten ganz oben mit Zeit, Adresse und einem Satz für Neue kostet eine Stunde Arbeit. Mehr dazu, was auf eine Gemeindeseite gehört, steht in unserem Beitrag Was eine Gemeindewebsite braucht.
Ist der Kinderschutz auf der Website sichtbar?
Das ist der Befund, der uns am meisten überrascht hat. Die Standard-Ordnung der Freikirchen in Österreich zum Kinder- und Jugendschutz, beschlossen am 14. Februar 2024, sieht vor, dass die Kinderschutzordnung in der Gemeinde ausgehängt und auf der eigenen Website gut sichtbar veröffentlicht wird.
Auf 19 Prozent der Startseiten fanden wir einen Link oder einen Hinweis zum Kinderschutz. Auf 81 Prozent fanden wir nichts, weder im Menü noch in der Fußzeile noch im Text. Zur Gegenprobe haben wir bei diesen Gemeinden die naheliegende Adresse „/kinderschutz/“ abgerufen. Keine einzige war vorhanden.
Das heißt nicht, dass diese Gemeinden keinen Kinderschutz haben. Viele haben ein Konzept, Schulungen und unterschriebene Selbstverpflichtungen. Es steht nur nicht dort, wo Eltern und Mitarbeitende es suchen. Eine Vorlage für die Selbstverpflichtung findest du in unserem Beitrag Selbstverpflichtungserklärung Kinderschutz: Muster.
Wo lädt die Website Google, ohne zu fragen?
32 Prozent der erreichbaren Websites binden auf der Startseite einen Dienst ein, der beim Aufruf sofort Daten an einen fremden Server schickt, bevor jemand zustimmen konnte. Am häufigsten sind Schriften direkt von Google mit 21 Prozent. Dazu kommen Google-Maps-Karten mit 8 Prozent, Google Analytics oder der Tag Manager mit 5 Prozent und YouTube-Videos mit 4 Prozent.
Bei Schriften ist die Lösung einfach: Sie lassen sich auf dem eigenen Server ablegen, und niemand merkt einen Unterschied. Karten und Videos lassen sich so einbinden, dass sie erst nach einem Klick laden. Wie das geht, erklären wir auf der Seite DSGVO für Gemeindewebsites.
Welche Adressen führen ins Leere?
13 der 155 Adressen führen zu keiner funktionierenden Website. Bei acht davon existiert die Domain nicht mehr, dazu kommen Serverfehler, ein abgelaufenes Zertifikat und eine Seite ohne Antwort. Oft ist die Gemeinde längst umgezogen und nur die Liste ist alt. Eine frei gewordene Domain kann aber jeder neu registrieren. Dann zeigt der alte Link plötzlich auf fremde Inhalte.
Unser Rat: Behaltet alte Domains, solange noch Links auf sie zeigen, und leitet sie auf die neue Adresse um. Die Gebühr dafür ist gering.
Womit sind die Websites gebaut?
44 Prozent der Websites laufen mit WordPress. Danach folgen Wix mit 11 Prozent, ChurchTools und Squarespace mit je 7 Prozent und Jimdo mit 5 Prozent. Knapp jede fünfte Website ist selbst gebaut oder nutzt ein System, das wir nicht erkannt haben. Das System allein sagt wenig über die Qualität. Die Lücken oben fanden wir in allen Gruppen.
Was jetzt zu tun ist
Du kannst eure Startseite in einer halben Stunde selbst prüfen. Die Checkliste unten fasst die Punkte aus der Stichprobe auf einer Seite zusammen.
- Setzt Gottesdienstzeit und Adresse ganz nach oben auf die Startseite.
- Schreibt ein paar Sätze für Neue: was sie erwartet, wo sie parken, was es für Kinder gibt.
- Veröffentlicht eure Kinderschutzordnung und verlinkt sie im Menü oder in der Fußzeile.
- Legt Schriften auf den eigenen Server und ladet Karten und Videos erst nach einem Klick.
- Gebt der Startseite eine Beschreibung für Google mit Ort und Gottesdienstzeit.
- Prüft, ob alte Adressen eurer Gemeinde noch auf die aktuelle Website umleiten.
Wenn ihr dabei Hilfe wollt, sprecht uns an. Das erste Gespräch ist kostenlos.
Häufige Fragen zu diesem Thema
Werden die geprüften Gemeinden genannt?
Nein. Wir veröffentlichen nur zusammengefasste Zahlen. Die Rohdaten mit den Adressen bleiben bei uns und werden nicht weitergegeben.
Muss die Kinderschutzordnung auf der Startseite stehen?
Die Standard-Ordnung der Freikirchen in Österreich verlangt, sie auf der eigenen Website gut sichtbar zu veröffentlichen. Die Startseite muss es nicht sein. Ein Eintrag im Hauptmenü oder in der Fußzeile, der auf jeder Seite zu sehen ist, erfüllt den Zweck am besten.
Warum zählen Google-Schriften als Problem?
Werden Schriften direkt von Google geladen, erfährt Google beim Aufruf die IP-Adresse des Besuchers, ohne dass dieser zugestimmt hat. Das Landgericht München hat das 2022 als Datenschutzverstoß gewertet, und im selben Jahr gab es auch in Österreich viele Anwaltsschreiben deswegen. Liegen die Schriften auf dem eigenen Server, fällt das Problem weg.
Kann ich meine eigene Gemeindewebsite prüfen lassen?
Ja. Mit der Checkliste unten schafft ihr den Großteil selbst. Wenn ihr eine zweite Meinung wollt, schaut Bernd sich eure Startseite im kostenlosen Erstgespräch an.
Checkliste zum Mitnehmen
Startseiten-Check für Gemeinden
Eine Seite zum Abhaken: die Punkte, die in unserer Stichprobe von 155 Freikirchen-Websites am häufigsten gefehlt haben.
Was Besucher als Erstes suchen
- Gottesdienstzeit steht ganz oben auf der Startseite
- Adresse mit Ort steht dabei, am besten mit Hinweis zum Parken
- Ein paar Sätze für Neue: was sie erwartet, was es für Kinder gibt
- Telefonnummer oder E-Mail-Adresse ist ohne Suchen zu finden
- Kinderschutzordnung ist veröffentlicht und im Menü oder in der Fußzeile verlinkt
- Eine Ansprechperson für den Kinderschutz ist genannt
- Impressum und Datenschutzerklärung sind von jeder Seite aus erreichbar
- Die Website ist verschlüsselt (Schloss in der Adresszeile)
Die vollständige Fassung mit allen Punkten steht im PDF.
Kostenlos, ohne Anmeldung, ohne E-Mail-Adresse. Nimm es mit und nutze es — auch wenn ihr die Website am Ende selbst baut. Alle zwölf Arbeitsmaterialien ansehen
Geschrieben von
Bernd Broschek BEd
Christlicher Webdesigner aus Kärnten, leitet eine Agentur mit vier Mitarbeitern und ein Hilfswerk in Uganda. Mehr über mich